Herkunft und Bedeutung des Namens Stier in der Astrologie

STIER (TAURUS) – HISTORISCHE UND ASTRONOMISCHE HERLEITUNG

Sternbild- Stier in der Astrologie :: La Boheme Magie

Bezeichnung und Herkunft

Das Sternbild Stier (lat. Taurus , griech. Ταῦρος) gehört zu den ältesten dokumentierten Konstellationen der Menschheit. Der Begriff bezeichnet das männliche Rind, insbesondere als Symbol von Fruchtbarkeit, Kraft und Frühjahrsbeginn. Der Stier ist aufgrund seiner markanten Sternanordnung (u. a. Aldebaran, Hyaden, Plejaden) schon früh in verschiedenen Hochkulturen identifiziert worden.

Babylonische Ursprünge

Bereits in der babylonischen Astronomie erscheint der Stier unter dem Namen GU₄.AN.NA, was „Himmelsstier“ bedeutet. Er wurde dort mit dem Frühling, dem Neumondzyklus und dem Neuanfang verbunden.

  • MUL.APIN-Tafeln (ca. 700 v. Chr.): Taurus = „Der Stier des Himmels“, zentral für das Frühjahr und das agrarische Jahr.
  • Der Himmelsstier war Teil der sogenannten „Pfad des Mondes“-Sternbilder (Lunar Mansions).
  • Starke Verbindung zur Göttin Ischtar , die den Himmelsstier auf Gilgamesch hetzte (→ Epos von Gilgamesch , Tafel VI).

Griechische Mythologie

  1. Zeus in Stiergestalt : Zeus verwandelte sich in einen weißen Stier, um Europa über das Meer nach Kreta zu entführen. Diese Episode ist die gängigste Erklärung für die Platzierung des Stiers am Himmel.
  2. Der kretische Stier : In einer anderen Version ist das Sternbild mit dem Stier verbunden, den Herakles im Rahmen seiner zwölf Aufgaben bändigen musste.
  3. Gilgamesch-Motiv-Rezeption : In späterer hellenistischer Zeit vermutete man auch einen Einfluss der sumerisch-babylonischen Himmelsstier-Mythen auf die griechischen Deutungen.

Die zugehörige Quelle ist:

  • Hyginus , Astronomica II.21: Beschreibung des Stiers als Figur des Zeus.
  • Ovid , Metamorphosen II.833 ff. und Fasti V.603 ff.: Entführung Europas.
  • Pseudo-Eratosthenes , Katasterismoi : Mythologischer Zusammenhang zwischen Sternbild und Zeus.

Astronomische Katalogisierung

  • Ptolemaios , Almagest VII–VIII: Der Stier ist eines der 48 klassischen Sternbilder. Enthält u. a. die Hyaden (offener Sternhaufen in Form eines „V“) und die Plejaden.
  • Wichtigster Stern: Aldebaran (α Tauri) – arabisch „Auge des Stiers“, auffälliger rötlicher Riesenstern.
  • Taurus liegt auf der Ekliptik und ist daher Teil der 13 Tierkreissternbilder.

Bedeutung im antiken Kalenderwesen

In der bronzezeitlichen und babylonischen Zeit war das Sternbild Taurus eng mit dem Frühjahrsbeginn verknüpft, insbesondere über die Plejaden , deren heliakischer Aufgang (Sichtbarkeit kurz vor Sonnenaufgang) zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche auftrat.

  • In Ägypten wurde der Stier mit Fruchtbarkeit und Wiedergeburt assoziiert (Apis-Stier).
  • Auch in der minoisch-kretischen Kultur ist der Stier ein zentrales Symbol, vgl. Stiersprung-Fresken von Knossos.

Kurzfassung (wissenschaftlich)

  • Beschreibung: Taurus = lat. für „Stier“, griech. ταῦρος
  • Erste Erwähnung: Babylon (als GU₄.AN.NA, „Himmelsstier“) in den MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.)
  • Mythologie: Zeus als Stier (Entführung Europas), Herakles und der kretische Stier
  • Quellen: Hyginus, Ovid, Ptolemäus, MUL.APIN, Gilgamesch-Epos
  • Bedeutung: Frühlingssternbild mit astrologisch-agrarischer Bedeutung
  • Hauptstern: Aldebaran (α Tauri), „Auge des Stiers“