KREBS ( CANCER ) – HISTORISCHE UND ASTRONOMISCHE HERLEITUNG

Bezeichnung und Herkunft
Das Sternbild Krebs (lat. Cancer, griech. Καρκῖνος) bedeutet wörtlich „Krebs“ bzw. „Krabbentier“ und wurde bereits in der Antike als gepanzertes, rückwärts gehendes Tier beschrieben. Der Name stammt aus dem Lateinischen cancer (wie im medizinischen Begriff „Krebs“), das wiederum aus dem Griechischen karkinos übernommen wurde.
Der Krebs steht am Himmel südlich der Zwillinge und nördlich des Löwen und ist eines der unauffälligsten Tierkreissternbilder – was sich auch in seiner mythologischen Rolle widerspiegelt.
Babylonische Ursprünge
In der babylonischen Astronomie erscheint das Sternbild unter der Bezeichnung MUL.AL.LUL , was vermutlich „die Krabbe“ oder „die Schildkröte“ bedeutet, ist aber nicht eindeutig geklärt. Das Tier wurde weniger aufgrund seiner Form als wegen seines Verhaltens (seitliches oder rückwärts gerichtetes Gehen) als Sinnbild für die Sommersonnenwende interpretiert – denn ab diesem Punkt „kehrt die Sonne um“.
- Die babylonischen MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.) führen Cancer als Teil des Ekliptikpfads.
- Die Sommerwende (Ende Juni) war ein bedeutender Zeitpunkt in allen agrarischen Kalendern, und Cancer markierte ihn.
Griechische Mythologie
In der griechischen Sage ist der Krebs ein Nebenakteur im Mythos des Herakles :
- Als Herakles gegen die neunköpfige Hydra kämpfte (eine seiner zwölf Aufgaben), schickte die Göttin Hera einen großen Krebs, um ihn zu stören.
- Der Krebs versuchte, Herakles in die Ferse zu zwicken, wurde jedoch von ihm zertrampelt.
- Hera, die Herakles hasste, ehrte die Loyalität des Krebses, indem sie ihn als Sternbild an den Himmel versetzte.
Die Figur ist damit ein Beispiel für mythologische Nebenfiguren , die durch göttliche Gunst Aufnahme in den Himmel fanden.
Quellen:
- Hyginus , Astronomica II.23: Bericht über den Krebs und seine Rolle im Kampf mit der Hydra.
- Pseudo-Eratosthenes , Katasterismoi : Nennung des Krebses als treuen Helfer der Hera.
- Ovid , Fasti VI.91–130: Verbindung zum römischen Kalender und zur Sonnenwende.
- Ptolemaios , Almagest VII–VIII: Aufnahme von Cancer unter die 48 klassischen Sternbilder; beschreibt 5 schwache Sterne.
Astronomische Katalogisierung
- Das Sternbild liegt zwischen den deutlich auffälligeren Zwillingen (Gemini) und Löwen (Leo).
- Seine Sterne sind relativ lichtschwach. Bekannt ist jedoch der offene Sternhaufen Praesepe (M44) , auch „Krippe“ oder „Bienenstock“ genannt – in der Antike als „Nebelstern“ sichtbar.
- Hauptstern: Altarf (β Cancri) – ein gelblich leuchtender Riesenstern.
Bedeutung im antiken Kalenderwesen
Der Krebs markierte zur Zeit der klassischen Antike die Sommersonnenwende . In der Vorstellung „ging die Sonne nun rückwärts“, d. h. die Tage wurden wieder kürzer – was durch das Verhalten des Krebses (seitliches oder rückläufiges Kriechen) symbolisch ausgedrückt wurde.
- Tropic of Cancer (Wendekreis des Krebses): Begriff leitet sich von diesem Sternbild ab, weil zur Zeit der Namensgebung (ca. 100 v. Chr.) die Sonne zur Sonnenwende in Cancer stand.
- Im lunisolaren Kalender spielte Cancer daher eine Rolle bei der Bestimmung der Wachstumsgrenzen und Erntevorhersagen.
Kurzfassung (wissenschaftlich)
- Beschreibung: Krebs = lat. „Krebs“, griechisch. Καρκίνος
- Erste Erwähnung: Babylonisch als MUL.AL.LUL, in MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.)
- Mythologie: Tier, das Herakles im Hydra-Kampf störte; von Hera geehrt
- Quellen: Hyginus, Ovid, Pseudo-Eratosthenes, Ptolemäus
- Bedeutung: Symbol der Sommersonnenwende, Zeichen der Umkehr des Sonnenlaufs
- Hauptstern: Altarf (β Cancri), M44 (Praesepe) als auffälliger Sternhaufen