Herkunft und Bedeutung des Namens Jungfrau in der Astrologie

JUNGFRAU ( VIRGO ) – HISTORISCHE UND ASTRONOMISCHE HERLEITUNG

Sternbild- Jungfrau in der Astrologie :: La Boheme Magie

Bezeichnung und Herkunft

Das Sternbild Jungfrau (lat. Virgo , griech. Παρθένος) bedeutet wörtlich „die Unberührte“ oder „jungfräuliche Frau“. Die Figur wurde in der Antike durchgehend als weibliche Gestalt interpretiert – oft mit einer Ähre in der Hand. Die Bezeichnung Virgo stammt aus der römischen Astronomie, geht aber auf ältere griechische und babylonische Deutungen zurück.

Jungfrau ist das größte Sternbild des Tierkreises und liegt prominent auf der Ekliptik zwischen Löwe und Waage.

Babylonische Ursprünge

In der babylonischen Tradition wurde das Sternbild als AB.SIN oder Šala geführt, oft identifiziert mit einer Göttin der Ähren oder des Ackers. Auch die Figur Ernutet (im ägyptischen Kontext) oder Ischtar in ihrer vegetativen Form wurde gelegentlich damit assoziiert.

  • Die Bezeichnung Šala steht für eine Getreidegöttin, oft mit einem Weizenbündel dargestellt.
  • Die Ähre in der Hand ist astronomisch repräsentiert durch den Stern Spica (α Virginis) – lat. spica virginis, „Jungfrauähre“.

Die MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.) erwähnen ein weibliches Sternbild, das mit Ernte und Landwirtschaft verknüpft ist – vermutlich identisch mit Virgo.

Griechische Mythologie

In der griechischen Tradition ist Virgo mit mehreren Göttinnen identifiziert worden:

  1. Tut (Gerechtigkeit): Tochter des Zeus und der Themis, Symbol für menschliche Gerechtigkeit. Sie verließ die Erde, als das Menschengeschlecht verdorben wurde, und wurde als Sternbild an den Himmel versetzt.
  2. Astraia (Tochter der Eos): Ebenfalls eine Verkörperung der göttlichen Ordnung, teils mit Dike gleichgesetzt. Astraia ist in vielen Quellen die Gestalt, die zur Zeit des Goldenen Zeitalters unter den Menschen wandelte.
  3. Demeter oder Persephone : In einigen Varianten gilt Virgo auch als Göttin der Fruchtbarkeit oder als ihre Tochter, verbunden mit dem Getreidezyklus.

Das verbindende Element ist stets das Thema von Ernte, Ordnung, Reinheit oder Rückzug aus der Welt .

Quellen:

  • Hyginus , Astronomica II.25: Identifiziert Virgo mit Dike und Astraia, Tochter der Gerechtigkeit.
  • Pseudo-Eratosthenes , Katasterismoi : Beschreibung von Dike als Himmelsgestalt der Gerechtigkeit.
  • Aratos , Phainomena (Vers 96–136): Lyrische Darstellung des Rückzugs der Jungfrau aus der Welt.
  • Cicero , De Natura Deorum II.43: Erwähnt Virgo als Symbol für Reinheit und kosmische Ordnung.
  • Ptolemaios , Almagest VII–VIII: Listet Virgo als eines der 48 klassischen Sternbilder mit 26 Hauptsternen.

Astronomische Katalogisierung

  • Das Sternbild ist ausgedehnt, aber eher unauffällig. Sichtbar ist besonders der Hauptstern Spica (α Virginis), einer der hellsten Sterne des Nachthimmels.
  • Die Sonne durchquert Virgo ungefähr von Mitte September bis Ende Oktober (astronomisch).
  • In der Antike galt der heliakische Aufgang von Spica als wichtiges Zeichen für die Getreideernte .

Bedeutung im antiken Kalenderwesen

Virgo wurde mit der Erntezeit und mit dem Ende des Sommers in Verbindung gebracht. Der Stern Spica war für viele Kulturen ein Marker für den Beginn der Ernte (z. B. im altägyptischen und römischen Kalender).

  • In Ägypten verband man Spica mit Sopdet (die allerdings vorrangig mit Sirius gleichgesetzt wurde).
  • Im römischen Kalender symbolisierte Virgo oft den Übergang vom Löwen (Hitze) zur Waage (Ordnung).

Kurzfassung (wissenschaftlich)

  • Bezeichnung: Virgo = lat. „Jungfrau“, griech. Παρθένος
  • Erste Erwähnung: Babylonisch als Šala oder AB.SIN in MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.)
  • Mythologie: Dike, Astraia oder Persephone – weibliche Gerechtigkeit und Ernte
  • Quellen: Hyginus, Pseudo-Eratosthenes, Aratos, Cicero, Ptolemaios
  • Bedeutung: Symbol für Ordnung, Reinheit, Rückzug und Getreideernte
  • Hauptstern: Spica (α Virginis), „Jungfrauähre“