FISCHE ( PISCES ) ♓ – HISTORISCHE UND ASTRONOMISCHE HERLEITUNG

Bezeichnung und Herkunft
Das Sternbild Fische (lat. Pisces , griech. Ἰχθύες) bedeutet schlicht „die Fische“. Es zeigt zwei Fische, die durch ein Band oder eine Leine miteinander verbunden sind – in der klassischen Darstellung schwimmen sie in entgegengesetzten Richtungen. Das Sternbild liegt auf der Ekliptik zwischen Wassermann und Widder und bildet den Abschluss des Tierkreises.
Der lateinische Begriff Pisces wurde in römischer Zeit als Übersetzung des griechischen Ichthyes eingeführt.
Babylonische Ursprünge
In der babylonischen Astronomie erscheinen die Fische unter dem Namen MUL.KUN.ME , was in etwa „Schwanz-Fisch(e)“ bedeutet. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Sternengruppen, die durch ein Band verbunden sind – sehr ähnlich zur späteren griechischen Darstellung.
- Die MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.) erwähnen zwei miteinander verbundene Fischfiguren in der Nähe des Frühlingspunktes.
- Die Fische waren mit Fruchtbarkeit, Frische und Übergang assoziiert – insbesondere durch ihre Lage zur damaligen Tagundnachtgleiche.
In einigen babylonischen Interpretationen wurden sie mit Flussgottheiten oder göttlichen Boten in Verbindung gebracht, jedoch ohne eine definierte mythologische Geschichte.
Griechische Mythologie
In der griechischen Mythologie ist die verbreitetste Erzählung, dass die Fische Aphrodite und ihren Sohn Eros darstellen, die sich vor dem Typhon – dem mächtigen Ungeheuer – in Fische verwandelten und in den Euphrat flüchteten.
- Um nicht getrennt zu werden, banden sie sich mit einem Seil zusammen.
- Aus Dankbarkeit setzte Zeus die beiden als Sternbild an den Himmel.
Diese Geschichte taucht erstmals in hellenistischer Zeit auf und ist ein Beispiel für eine nachträgliche mythologische Deutung eines bereits bestehenden Sternbilds .
Quellen:
- Hyginus , Astronomica II.30: Beschreibt die Flucht von Aphrodite und Eros vor Typhon und ihre Verwandlung in Fische.
- Pseudo-Eratosthenes , Katasterismoi : Bestätigt die Verbindung der zwei Fische mit der göttlichen Mutter und ihrem Sohn.
- Aratos , Phainomena (Vers 366–375): Erwähnt die Darstellung von zwei entgegengesetzt schwimmenden Fischen, die verbunden sind.
- Ptolemaios , Almagest VII–VIII: Führt Pisces als eines der 48 klassischen Sternbilder mit 34 Hauptsternen.
Astronomische Katalogisierung
- Pisces ist ein großflächiges, aber lichtschwaches Sternbild auf der Ekliptik.
- Zwei Hauptgruppen: der westliche Fisch (südwestlich) und der nördliche Fisch – verbunden durch ein Band aus schwachen Sternen.
- Wichtigster Stern: Alrescha (α Piscium) – Name aus dem Arabischen, bedeutet „Knoten“ oder „Schnurverbindung“.
Astronomisch liegt Pisces heute im Bereich des Frühlingspunktes , d. h. des Schnittpunkts von Ekliptik und Himmelsäquator – ein Umstand, der astrologisch das „Fischezeitalter“ begründete.
Bedeutung im antiken Kalenderwesen
Zur Zeit der späten babylonischen und frühgriechischen Astronomie (ca. 500–100 v. Chr.) verschob sich der Frühlingspunkt aufgrund der Präzession in das Sternbild Fische. Seither markierte Pisces den Beginn des Sonnenjahres – astrologisch wurde es daher zum letzten Zeichen, aus dem sich der Zyklus erneuert.
- Die Fische galten als Übergangszeichen – vom Alten ins Neue, vom Winter zum Frühling.
- Im römischen Kalender war Pisces mit dem Monat Februar/März verbunden – einer Zeit der Reinigung und Vorbereitung.
Kurzfassung (wissenschaftlich)
- Bezeichnung: Pisces = lat. „Fische“, griech. Ἰχθύες
- Erste Erwähnung: Babylonisch als MUL.KUN.ME in MUL.APIN-Tafeln (ca. 1000–700 v. Chr.)
- Mythologie: Aphrodite und Eros fliehen als Fische vor Typhon; verbunden durch ein Band
- Quellen: Hyginus, Pseudo-Eratosthenes, Aratus, Ptolemäus
- Bedeutung: Zeichen des Übergangs, Beginn des Sonnenjahres (Frühlingspunkt)
- Hauptstern: Alrescha (α Piscium), „Knoten“ des Fischbandes